Der Käfer

kaefer

Das Nesthäkchen hat einen Käfer gegessen. Also, keinen großen. Nicht einmal einen Marienkäfer. Nur einen winzig kleinen, stecknadelkopfgroßen braunen Käfer. Genau gesehen habe ich es natürlich nicht, wie sie den Käfer in den Mund steckte. Ich stand nämlich gerade vor dem Kleiderschrank und zog mich an, während das Nesthäkchen neben mir vor dem Fenster auf dem Boden saß. Aber eben war da noch dieser kleine Käfer gewesen, das hatte ich wohl mit einem „ah, da ist ein Käfer“ in meinen seitlichen Hirnwindungen registriert. Zu weit hinten jedoch, um dem ein logisches „ich setze das Kind vielleicht besser woanders hin“ hinterherzudenken.

Naja, jedenfalls war da dieser Käfer und als ich 15 Sekunden später wieder hinsah, war er da eben nicht mehr und das Nesthäkchen machte stattdessen diese typischen Zungenbewegungen, mit der sie etwa 127x täglich Dinge wieder aus dem Mund zu befördern versucht, die – orale Phase sei Dank – ihren Weg dort hineingefunden und als „Abteilung Bäh“ klassifiziert wurden. Nun ja, diesmal war der Käfer aber scheinbar schon zu weit hinten – ich möchte gar nicht näher darüber nachdenken, wie er wohl so weit nach hinten gelangt ist – und ließ sich nicht mehr hinausschieben. Er wurde also wohl hinuntergeschluckt, gefolgt von einem fröhlichen Grinsen.

Damals bei der Traumtänzerin hätte ich vermutlich leicht hysterisch reagiert, etwas hyperventiliert, kurz überlegt sie mit einem Schlückchen Schnaps gurgeln zu lassen (und wieder verworfen) oder zumindest den Schnaps zur Nervenberuhigung selber hinuntergekippt.

Beim Lausdirndl wäre ich schon deutlich weniger panisch geworden, hätte vielleicht „Baby Käfer gegessen schädlich“ gegoogelt und mir auf einer ellenlangen Ergebnisliste von Elternforeneinträgen zwei oder drei durchgelesen. Hätte dann festgestellt, dass offenbar sehr viele Babys sehr häufig Käfer (und schlimmeres!) essen und hinterher trotzdem munter und wohlauf sind.

Beim Nesthäkchen, meiner Drittgeborenen, zuckte ich heute nur kurz mit den Schultern, wohl wissend, dass der Käfer irgendwann wieder den Weg nach draußen finden wird, und dachte „naja, war sowieso Zeit für einen Snack“. Humor hilft sehr wenn man Kinder hat.

1 Kommentar

  1. Käfer sind doch proteinreich.

    Mein Kleiner hat mal eine Knopfzelle verschluckt, ich hab immer noch die Worte seines Vaters im Ohr „Wo ist das kleine Ding bloß hin?“ 1+1 nicht zusammenzählend, mit grinsendem Baby neben sich.

    War dann ein paar Tage ziemlich eklig, bis das Ding wieder aufgetaucht ist… also besser Käfer!

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