Die anderen Tage

Streusel

Ich würde mich als glücklichen Menschen bezeichnen an den meisten Tagen. Ich bin dankbar für alles, was ich habe. Einen tollen Mann, wunderbare, gesunde Kinder, eine prima (Groß-)Familie, ein schönes Häuschen, nette Menschen, genug zu essen. Ich nehme jeden Tag wie er kommt, versuche mich an kleinen Dingen zu erfreuen genieße den Moment und meine Kinder und betrachte das Glas meist als halbvoll. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben.

Aber dann gibt es auch die anderen Tage. Manchmal nur, nicht dauerhaft zum Glück, aber doch da. Wenn ein leerer Akku mit meinen zu hohen Erwartungen an mich zusammenprallt. Wenn ich müde bin und mich gleichzeitig selber schelte, ich könne ja wohl nicht müde sein, immerhin schläft das Baby nachts gut. Wenn eins oder alle Kinder den ganzen Tag zu Hause sind wegen krank oder Ferien, der Mann aber arbeitet und ich nicht eine Minute zum Durchschnaufen komme, weil immer jemand Mama ruft und mich braucht. Wenn ich diverse Mahlzeiten zubereite, an denen sowieso immer mindestens eine herumnörgelt. Wäsche aus einem nie leer werdenden Korb wasche, aufhänge, zusammenlege, aufräume. Oder Böden aufräume und sauge, auf denen im nächsten Moment wieder Kiloweise Krümel, Sand, Wassergläser, Kinderbilder oder Spielsachen landen. Dazu Hausaufgaben kontrollieren, für Schularbeiten lernen, Streits schlichten, Fragen beantworten, Sachen suchen und endlose, endlose Diskussionen führen über die Notwendigkeit von vermeintlichen Selbstverständlichkeiten und all das mit Baby auf oder an mir. 3 unterschiedliche Bedürfnisse zur selben Zeit stillen und meine eigenen dabei völlig ignorieren. Und wieder bin ich es selbst, die ich kritisiere. Denn schließlich schaffen das ja tausende andere auch ohne jammern. Was natürlich nicht stimmt, aber das lässt mein strenges Über-ich nicht gelten.

Gerade ist so eine Phase. Ich bin müde und ausgelaugt, sehe aber gleichzeitig drölfzigtausend „wichtige“ Dinge, die ich zu erledigen hätte, wie den Kühlschrank putzen, den Keller ausmisten, Staub wischen. Blöd, ich weiß. Dazu fühle ich mich in meiner eigenen Haut nicht wohl, habe Augenringe groß wie Untertassen, spröde Haut und einen doofen Pickel im Gesicht. Außerdem stumpfe Haare, die dringend mal wieder einen Friseurbesuch bräuchten, denn Frisur kann man das auf meinem Kopf nicht mehr nennen. Wenn mir dann morgens auch noch die Energie zum Schminken fehlt oder ich bis mittags nicht aus der Schlumperhose rauskomme, winkt mir im Spiegel Frau Flodder zu.

Die Kinder und ihre Bedürfnisse stehen an erster Stelle, das lässt mein strenges Über-ich mir durchgehen. Aber dass ich gleich an zweiter Stelle kommen sollte und nicht der ungeputzte Kühlschrank, das bekomme ich noch nicht richtig hin. Aber ich gebe mir Mühe. Heute werde ich mit den Kindern direkt nach der Schule ins Shoppingcenter fahren. Dort darf jede essen, was sie möchte und ich spare mir kochen und Gemecker. Vielleicht gönnen wir uns dann auch noch ein Eis oder einen Donut. Von mir aus dürfen die Mädchen ihr Taschengeld auf den Kopf hauen. Und ich werde mir in der Parfümerie ein Zaubermittel gegen meine Augenringe besorgen oder ein anderes Luxusbeautyprodukt und dann zeige ich Frau Flodder den Stinkefinger, jawohl!

7 Kommentare

  1. Ach du. Ich hab nur ein Kind, Haus und Hof, aber trotzdem erkenn ich mich in deinen Zeilen wieder. Genieß eure Auszeit heute. Liebe grüße aus Südtirol

  2. Liebe Cynthia,
    ich bin seit dem Sommer eine stille Mitleserin in deinem Blog und gucke täglich auf Instagram was es neues von Dir / Euch gibt.
    Mit deinem heutigen Blogbeitrag sprichst Du mir aus der Seele und ich muss einen Kommentar hinterlassen.
    Auch ich habe Kühlschränke die dringend geputzt werden müssten, Wäschetonnen die nie leer werden und auch zuwenig Zeit und Muße mir Ruhe zu gönnen.
    Es tut gut zu lesen dass man nicht alleine in so einem Hamsterrad steckt.
    Und mit dem Wissen fällt es mir direkt leichter mich auch mal wie Frau Flodder zu fühlen.
    Danke für diesen Beitrag! :)

  3. Die anderen, die nicht meckern explodieren wohl irgendwann… Selbst Schuld! 😉
    Es gibt einfach doofe Tage und dann ist es genau richtig, schöne Dinge zu machen, wie der Einkaufszentrumsbesuch.
    Ich habe übrigens mal auf YT den tollen Tipp gesehen Augencreme am Morgen aufzutragen, das wirkt wirklich Wunder. Man sieht frischer aus und es geht schneller als Concealer. 😉

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