Die Käferbeerdigung

Der Frühling naht (mit reichlich Verspätung, aber wir wollen mal nicht so sein), im Garten sprießt es, die Vögel zwitschern und die Insekten genießen die ersten Sonnenstrahlen.
Auch bei uns im Haus krabbelt es eifrig – denn unsere Fensterrahmen und -ritzen scheinen optimale Winterschlafquartiere für Marienkäfer zu sein. (Keine Ahnung ob das bausubstanztechnisch jetzt ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist – vielleicht sollte ich das mal googlen)
Da der Frühling sich wie erwähnt ja heuer reichlich Zeit gelassen hat, krabbeln die roten Glückskäfer leider immer noch im Haus herum und sind noch nicht nach draußen entflogen.
Einem von ihnen ist nun scheinbar die Wartezeit auf käfer-kompatible Temperaturen zu lange geworden und vor ein paar Tagen entdeckte die Traumtänzerin seinen kleinen Leichnam auf der Badezimmerfensterbank. „Guck mal Mama, der Marienkäfer ist tot“ Ich murmelte etwas tröstend verständnisvolles und beförderte den kleinen Kerl auf ein Stück Toilettenpapier, um ihn im Badmülleimer zu entsorgen. „MAMA!!! SPINNST du?!?!“ rief die Traumtänzerin. „Nicht wegschmeißen!“
Ups, was für ein Mama-fauxpas. Ich hätte eigentlich wissen müssen, dass meine tierliebe Tochter das nicht akzeptieren würde. Ich schielte kurz Richtung Toilette, aber mir war klar, dass auch diese Option nicht infrage käme. Obwohl… wenn ich irgendeine phantasievolle Geschichte von dem Marienkäfer, der schon immer aufs Meer hinaus wollte erzählen würde? Nein. Keine Chance. Da die Traumtänzerin ein sehr gutes Gedächtnis hat, würde sie sich höchstwahrscheinlich an meine Erklärung zum Thema Ka…, Klo & Kläranlage erinnern. Also fragte ich „was sollen wir denn nun mit dem Käfer machen?“ „Na, beerdigen!!!“ Kam es prompt zurück.
Ehrlich? Wir müssen einen Marienkäfer beerdigen? Ich seufzte innerlich und fügte mich in die Situation, da ich die Tierliebe der Traumtänzerin wirklich bewundere und unterstütze, aber im Geiste machte ich mir einen dicken fetten Knoten ins Taschentuch: tote Insekten zukünftig nur noch unauffällig und in Abwesenheit der Mädels entsorgen! So liebenswert die Idee der Käferbeerdigung auch sein mag, wenn ich von nun an für alle toten Fliegen, Mücken und Spinnen ein Begräbnis organisieren muss, kann ich meinen Job kündigen.
Nun ist es leider so, dass eine Insektenbestattung nicht unbedingt einen der oberen Plätze meiner gedanklichen ToDo Liste belegt, weshalb ich zugeben muss, dass ich die letzten Tage nicht mehr daran gedacht habe. Seitdem liegt der kleine Käfer auf der Fensterbank und zerfällt langsam aber sicher in seine Chitinteilchen (Es war doch Chitin, oder? Meine letzte Biostunde ist schon… nun, sagen wir sehr lange her, aber dieses Wort hatte sich damals dank eines sehr lustigen und sehr parfümierten Biologielehrers irgendwie in meinem Gehirn festgesetzt. Schon komisch, was man sich alles merkt. Ich kann mir kaum die paar Dinge auf der Einkaufsliste merken, aber sowas bleibt.)
Als mein Blick heute früh also wieder auf die unfreiwillige Aufbahrungs-Stätte auf meiner Fensterbank fiel, nahm ich mir fest vor: heute ist Marienkäferbeerdigung!

Es ist allerdings eine private Zeremonie. Also keine Einladungen, kein Leichenschmaus (obwohl die Mädels und ich dem Käfer zu Ehren wohl einen Schoko-Marienkäfer aus dem Osternest verspeisen werden). Wer trotzdem teilhaben möchte: ich werde ein Foto auf die Mamamania-facebook Seite stellen. Versprochen!

http://www.facebook.com/pages/Mamamania/248069298644279?fref=ts
Foto

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