Leere

Leere

An…aus….an….aus….an…aus… Der Cursor auf dem jungfräulich weißen Dokument blinkt mich aufmunternd an. Meine Finger schweben über der Tastatur, verharren, als wüssten sie nicht weiter.

An…aus…an…aus…an…aus… Aus dem aufmunternden Blinken wird ein ungeduldiges, fast provokantes. Worauf wartest du?? Du wolltest doch schon so lange wieder etwas schreiben. Jetzt hast du die Gelegenheit. Einen kleinen Slot im Alltagstrubel. Na los – warum schreibst du denn nicht??

An…aus…an…aus…an…aus… Mit jeder Minute die verstreicht, während ich auf den blinkenden Cursor auf dem ansonsten gähnend leeren Dokument starre, wirkt er vorwurfsvoller, wütender. Aber in meinem Kopf ist Leere – genau wie auf dem geöffneten Word-Dokument.

Die Sache ist die – ich vermisse das Schreiben. Ich bin traurig und habe ein schlechtes Gewissen, weil ich den Blog so sträflich vernachlässigt habe in den letzten Wochen und Monaten. Aber für’s Schreiben brauche ich Ruhe. Um die leise innere Stimme zu hören, um hinzuspüren, wahrzunehmen und zu reflektieren. Und Zeit – die richtige und nicht zu wenig davon. Kein 30 Minuten Slot zwischen Arbeit und Kindern, zwischen Wäschekörben und Supermarkt, zwischen Mittagsschlaf und Abendessen, zwischen Lernen mit den Großen für noch unfassbar viele Tests & Klassenarbeiten und Bücher gucken mit der Kleinsten, zwischen Plätzchenblechen und Wunschzetteln, zwischen Marzipankartoffeln und Fiebersaft, zwischen dem Klassen-Theaterstück des Lausdirndls und dem Weihnachtsbasar in der Schule der Traumtänzerin, zwischen Terminen, Hektik, Trubel und endlos langen ToDo Listen.

Der Dezember ist jedes Jahr ein stressiger Monat, der November eigentlich auch schon. Wer den Begriff „staade Zeit“ geprägt hat, dem möchte ich hysterisch ins Gesicht lachen und einladen, an unserem Familiendezember teilzunehmen. Die Termine, Aufgaben, Umstände – all das ist so viel, so wuselig, so laut – dass alles zarte, leise übertönt wird. Plattgetrampelt geradezu. Die eigenen Bedürfnisse werden verdrängt – weil es nicht anders geht. Für Befindlichkeiten ist kein Platz im Jahresendwahnsinn. Und die innere Stimme verstummt irgendwann beleidigt, da sie einsieht, dass sie keine Chance hat.

Und wenn sich dann doch ganz unerwartet ein kleiner Spalt auftut, ein winziges Zeitfenster, eine Gelegenheit für ein paar Worte auf elektronischem Papier – wonach man sich schon seit Wochen sehnt – ist da nichts als Leere. Die innere Stimme schweigt beharrlich. Da kann der Cursor blinken, so viel er will.

Aus irgendeinem unerfindlichen Grund verblüfft mich das, verwundert blicke ich auf das leere Dokument, versuche in meinem Kopf zu kramen, in mein Inneres zu horchen. Aber so sehr ich mich auch anstrenge – oder gerade deswegen – da ist nichts.

An…aus…an…aus…an…aus… Seufzend lenke ich den Mauszeiger auf das Kreuz-Symbol in der oberen Ecke. Dann wird es also wieder nichts mit dem Schreiben. Und dann geht es plötzlich doch. Nichts Tiefschürfendes, Bewegendes oder gar Lustiges. Aber immerhin eine Erklärung, warum es hier gerade so still ist im Blog. Ich hoffe auf die Weihnachtsferien. Hoffe auf Ruhe, auf mehr Zeit für mich und auf Inspiration. Dass die Schreibblockade sich verzieht und der inneren Stimme wieder Platz macht. Wir werden sehen.

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